Von einem Blick in den Spiegel und den Klängen des Bauchgefühls

Vor einiger Zeit habe ich im Radio eine Geschichte von einem kleinen Bären gehört, der sich auf die Suche nach sich selbst machte.
Auf seiner Reise ist der Bär vielen Tieren mit unterschiedlichen Persönlichkeiten begegnet und währenddessen hat er trotzdem am meisten über sich selbst gelernt, weil er sich in den Begegnungen selbst erkannte.
Er verurteilte die anderen Tiere nicht für das, was sie waren, sondern sah sie mit liebevollen Augen und war stets bemüht ihre Gedanken und Handlungen nachzuvollziehen.
Ihm wurde bewusst, dass er die Tiere nicht sah wie sie waren, sondern wie er war.
Durch seine Augen, sah er seine eigene Wahrheit und nicht die Wahrheit seines Gegenübers.
Am Ende der Geschichte schaute er in den Spiegel und sprach aus, was er auf seiner Reise mehrfach dachte:
„Schön mich kennenzulernen“.

Diese Geschichte klang noch sehr lange in mir nach und war schließlich der Ursprung von einigen Gedanken, die sich auf unsere Pferde beziehen. Die Wahrheit ist eng verwandt mit der Wahrnehmung und damit eine subjektive Form der Erscheinung.

Durch welche Augen siehst du also dein Pferd? Und wie siehst du dich selbst?

Johanna Hövelmann Fotografie

In der Zusammenarbeit mit Pferden begegnet mir dieser Gedanke häufig, denn sehr oft zeigen sie mir einen Teil von mir und helfen mir bei der Selbstreflektion.
Manchmal ist es ein Anteil meiner Persönlichkeit, dem ich selbst nicht genug Beachtung schenke oder ein Teil, den ich selbst nicht so gerne mag, weil ich dessen Stärke nicht sehen kann. Natürlich können es alle möglichen Themen sein, die Aufmerksamkeit benötigen, weil das jeweilige Pferd stark darauf anspringt.

Vielleicht kennst du es auch, dass dein Pferd auf andere Menschen völlig anders reagiert als auf dich? Das liegt natürlich zum Einen an eurer Beziehung aber vor allem auch daran, was der andere Mensch ausstrahlt und welchen Anteil dieses Menschen dein Pferd wiederspiegelt.

Meine fünf eigenen Pferde sind augenscheinlich sehr verschieden, ein Stück weit werden wir uns im Laufe der Zeit aber auch immer ähnlicher – wie das eben mit guten Freunden oftmals ist.
Für mich ist das auch ein wichtiger Baustein einer guten Beziehung. Jeder bleibt er selbst und beide gehen aufeinander zu, damit man sich nahe ist, ohne sich selbst dabei zu verlieren.

Nicht umsonst heißt es, dass man selbst der Durchschnitt der fünf Personen ist, mit denen man am meisten Zeit verbringt. (Jim Rohn)
In Bezug auf meine Pferde ist das eine wirklich schöne Vorstellung für mich.

Mit welchen Pferden verbringst du die meiste Zeit? Magst du deren Durchschnitt sein?

Angebote dankend annehmen und gemeinsam über das Ergebnis lachen. Das ist der Zauber von neuen Entdeckungen. Foto: Christiane Heese-Hußmann Fotografie

Für mich sind Pferde jedoch nicht bloße Spiegel unserer Seele, da sie auch ihre eigene Geschichte in sich tragen, die Raum haben darf und gehört werden sollte.
Sie sehen sich selbst vielleicht genauso in uns, wie wir uns in ihnen sehen können.

Bist du ein guter Bestandteil des Durchschnitts von der Persönlichkeit deines Pferdes?

Damit das Pferd seine eigene Persönlichkeit entfaltet und seine Geschichte nach außen trägt, müssen wir Menschen lernen stiller zu werden und tatsächlich zuzuhören.

Wir dürfen dem Individuum Pferd Raum zur Entfaltung geben und auf unsere persönliche Art daran arbeiten, das Pferd wahrhaftig kennenzulernen.
Darum versuche ich meinen Pferden stets Fragen zu stellen statt ihnen Anweisungen zu geben.
Wenn wir nur Vorschläge machen, die Meinung des Pferdes ebenso erhören und unserem Bauchgefühl hin und wieder freien Lauf schenken, werden wir mit Sicherheit eine ganz andere Ebene der Beziehung zum Pferd aufbauen können.

Für mich ist das Bauchgefühl des Menschen die Stimme des Pferdes und diese hat immer etwas zu sagen.
Ich bin mir sicher, dass auch du ein gutes Bauchgefühl hast. Als Kind hatten wir es alle und haben viel intuitiver gehandelt. Im Laufe des Lebens verdecken einige Erfahrungen und Prägungen manchmal diese innere Stimme.
Für mich hat kein Wissen der Welt einen Wert, wenn das Gefühl dabei verloren geht.
Manchmal dürfen wir versuchen wieder das unwissende Kind zu sein, das sanft und voller Demut mit einem so wunderschönen und sensiblen Tier wie dem Pferd umgeht, ohne darüber nachzudenken.

Wenn jeder er selbst bleibt und dem anderen zuhört, entsteht ein unsichtbares Band. Foto: Alessa Neuner

Gerade bei unseren eigenen Pferden tragen wir meist einen schweren Koffer mit zum Stall – den Koffer an Erfahrungen und gemeinsamen Erinnerungen. Neben dem Rucksack, der unsere eigenen emotionalen Balast enthält, kann das eine ganz schön große Last werden.
Es ist einerseits gut, wenn man seinen Gegenüber kennt.
Andererseits verleitet es manchmal dazu, voreilige Rückschlüsse zu ziehen und gar nicht mehr nach der aktuellen Meinung und dem Befinden des Gegenübers zu fragen.

Stell dir heute einmal vor, dass du dein Pferd neu kennenlernst und dadurch auch dich selbst neu kennenlernst.
Genau wie der Bär in der Geschichte, wirst du sicherlich viele gute Seiten an dir und deinem Pferd finden können, die euch und euer Spiegelbild ausmachen.

Denke daran, dass du immer die Wahl hast, wie du deinen Gegenüber siehst. Denn es ist deine Wahrnehmung, deine Wahrheit und dein subjektives Empfinden, welches wunderbar wandelbar ist und jederzeit durch dich und dein Inneres verändert werden kann.

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Grüße von Herzen,

deine Kati von Equinality

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