Die zwei Seiten von Charaktereigenschaften – dreh die Medaille auch mal um

Kürzlich laß ich einen Text über eine psychologische Studie, dass häufig die Verhaltensweisen eines Menschen, die uns einst fasziniert haben, uns irgendwann dazu bringen die Beziehung zu beenden.
Nicht zwingend, weil der Mensch sich so stark verändert, sondern manchmal auch einfach, weil unsere Sicht der Dinge sich verschoben hat.

So wird aus der anfänglich verlockenden Spontanität plötzlich die Unfähigkeit bindende Entscheidungen zu treffen oder aus Humor die haarsträubende Eigenschaft kein ernsthaftes Gespräch führen zu können.
Woran liegt es, dass wir die Charakterzüge, die uns einst fasziniert haben, plötzlich als unerträglich erachten?

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Unbekanntes und neues Terrain kann manchmal leicht unsere Aufmerksamkeit erwecken.

Oft, so denke ich, fühlen wir uns zu Persönlichkeitsmerkmalen hingezogen, die wir an uns selbst vermissen oder denen wir endlich einen Nährboden schaffen möchten, weil das bisherige Umfeld uns keine Möglichkeit der Entfaltung dieser Eigenschaft bietet.
Neue Dinge sind spannend, herausfordernd und ja, faszinierend.
Eine Weile wird man von dem Rausch der Faszination getragen aber irgendwann kann es passieren, dass wir aufwachen und merken, egal wie stark wir es anfänglich wollten,: diese Eigenschaft passt nicht zu uns.
Nicht in dem Ausmaß oder sogar im Gesamten nicht.
Womöglich werden wir unsicher durch all die Spontanität oder fühlen uns durch das Extrem an Humor nicht mehr ernst genommen.

Dann könnten wir diese Wendung annehmen und es als Lernerfolg im Selbstfindungsprozess sehen, oder aber wir ärgern uns über die andere Person, weil wir den Bezug zu uns selbst nicht herstellen können und es sowieso einfacher ist einen Außenstehenden als Sündenbock für unser mangelndes Seelenheil zu haben.
Uns kann nur etwas ärgern, das uns auch berührt. Ärger ist ein Gefühl, welches nicht aufkommen würde, wenn uns die jeweilige Person oder die Angelegenheit gleichgültig wäre.

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Ein motiviertes Pferd ist einfach traumhaft in meinen Augen. Andere fühlen sich allerdings von der Eigeninitiative belästigt. Jede Eigenschaft hat zwei Seiten. Es liegt immer am Blickwinkel. Foto: Apricum Fotografie

Mir persönlich, fällt es leicht gute Eigenschaften von ihrer potentiellen negativen Seite zu betrachten. Andersrum fällt es mir schwer, weil auch ich manchmal nicht in der Lage bin, die nötige Distanz zu wahren, um eine Situation aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.
Wie ist denn jemand, der sehr egoistisch auf uns wirkt? Hat er es vielleicht einfach geschafft sich selbst in einem Maße zu lieben, das für uns (noch) unvorstellbar ist?
Und ist ein Lügner vielleicht einfach unsicher und schutzbedürftig, weil sein Selbstbewusstsein nicht reicht, um die Wahrheit zu offenbaren?
Nicht immer ist das der Fall aber diese zweite Perspektive hilft uns selbst anders mit den Eigenschaften einer anderen Person umzugehen.

Wie stehst du zu deinem Pferd?
Gibt es eine Eigenschaft, die dir nicht zusagt oder dich vielleicht sogar nervt?
Was würdest du an deinem Pferd ändern?
Vielleicht hast du Lust darüber einige Minuten nachzudenken, womöglich fällt dir aber auch spontan etwas ein.
Wenn du einen Charakterzug gefunden hast, versuch dich in dein Pferd hineinzuversetzen. Wann würdest du so handeln oder dich so verhalten?
Gibt es nicht vielleicht doch einen positiven Blickwinkel?
Wenn du die Medaille mit der Eigenschaft deines Pferdes jetzt umdrehst, welche Inschrift siehst du auf der anderen Seite?

Könntest du ein passendes Attribut finden, das den negativen Beigeschmack verloren hat?

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Meine Pferde sind alle meine Spiegel. So unterschiedlich sie sind, vereinen sie doch meine Charakterzüge in sich oder zeigen mir auf, woran es mir noch mangelt.

Meistens kann man nun auch einen Bezug zu sich selbst finden.
Manche Pferde spiegeln unsere „schlechten“ Eigenschaften – wer sagt eigentlich, dass sie schlecht sind? – andere zeigen uns die Dinge auf, die in uns fehlen.
Wir können den anderen, ob Mensch oder Tier, nicht ändern. Im Bestfall können wir aber immer für uns selbst etwas daraus lernen und unseren Fokus verändern, damit es uns nicht negativ beeinflusst.
Ich selbst erkenne nun zuverlässiger solche Gegebenheiten.
Aber wie das immer so ist, fallen mir die, die mich selbst betreffen, als letztes ins Auge.

An Galaxy hat mich häufig ihre Unnahbarkeit und ihre Zickigkeit genervt.
Heute verstehe ich, dass es mir oft an dieser Art Selbstschutz mangelt. Ich setze manchmal zu spät meine eigenen Grenzen gegenüber anderen.
Sie kann das schon immer hervorragend, steht für ihre Bedürfnisse ein und stört sich auch nicht an ihrer Außenwirkung in dem Moment, weil sie sich wichtiger ist als die Meinung der anderen über sie.
Ein schönes Beispiel, wie ich finde.
Es hat für mich auch nur 12 Jahre gedauert diese Erkenntnis zu erlangen.
Danke, meine große Lehrmeisterin <3

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